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Archive for the ‘History, Presence, Past’ Category

On Bullshit – Zur Typologie des Verschwörungstheoretikers

Januar 2, 2013 13 Kommentare

 “Never tell a lie when you can bullshit your way through.”

Eric Ambler, Dirty Story (zitiert nach Frankfurt 2005)

1.

„One of the most salient features of our culture is that there is so much bullshit. “

So beginnt der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt seinen Text „On Bullshit“ aus dem Jahr 2005. Frankfurt ist ein analytischer Philosoph in der Tradition Wittgensteins, dessen wesentlichste Arbeiten sich damit beschäftigen, was Wahrheit ist und wie sie durch korrekte Begriffe und authentische Sprechakte repräsentiert werden kann. Wahrheit, wie sie analytische Philosophie versteht ist demnach ein System, das in erster Linie logisch korrekte Sprechakte möglich macht, die eindeutig als richtige oder falsche Aussagen identifiziert werden können. Analytische Philosophie kennt keine Ebene des Unbewussten, oder lehnt solche Begriffe unumwunden ab, und würde Phänomene, die sich philosophisch nicht unmittelbar in sprachlichen Operationen ausdrücken lassen, nicht als philosophischen Gegenstand anerkennen.  Die internen Grenzen solcher Auffassungen, wenn man sie mit der spekulativen Metaphysik der europäischen Tradition konfrontiert, sollen uns in diesem Beitrag nicht weiter beschäftigen. Frankfurts analytisch präzise Sprache kann uns jedoch dabei helfen, einem Phänomen beizukommen, das sich wie eine Seuche in den Kreisläufen unserer Kultur ausgebreitet hat: Verschwörungstheorien.

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Kimjongilia

Dezember 25, 2011 1 Kommentar

North Korea is one of the world’s most isolated nations. For sixty years, North Koreans have been governed by a totalitarian regime that controls all information entering and leaving the country. A cult of personality surrounds its two recent leaders: first, Kim Il Sung, and now his son, Kim Jong Il. For Kim Jong Il’s 46th birthday, a hybrid red begonia named kimjongilia was created, symbolizing wisdom, love, justice, and peace.

So beginnt die Dokumentation „Komjongilia“ der amerikanischen Filmemacherin N.C. Heikin aus dem Jahre 2009. Anlässlich des Todes des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il empfehle ich allen Interessierten sich diesen Film anzusehen. Kompetentere Einschätzungen zum politischen Erbe Kim Jong Ils, als ich sie leisten könnte,  findet man z.B. hier, hier oder hier. Nordkorea ist nach außen derart isoliert, dass selbst anerkannte Experten nicht genau sagen können, ob das Regime tatsächlich in der Hand eines einzelnen Herrschers ist, so wie man sich die Regime Saddam Husseins im Irak oder das Libyen Ghaddafis vorstellen musste oder ob es von einem größeren Gremium kontrolliert wird. Wenn man die völlige Intransparenz nach außen als Indiz nimmt, muss man wohl davon ausgehen, dass Nordkorea von einer kleinen Elite regiert wird, die durch das dynastische System der Kims an der Spitze ungestört im Hintergrund agieren kann.

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Europa, Islam und Islamophobie, Teil 3

März 22, 2010 1 Kommentar

Das Beispiel von Fethullah Gülen bestätigt uns, dass es eine immanente Krise des islamischen Denkens gibt, die sich darin zeigt, keine intellektuellen Mittel zu haben, das Eigene und das Andere analytisch zu durchdringen. Wo Differenz gefragt ist, regiert ein Zwang zur Vereinheitlichung, der das Denkgebäude gewaltsam zusammen hält und keinen Spielraum für philosophische und politische Erneuerung zulässt. Wenn Fethullah Gülen, aber auch andere Autoren islamischen Schrifttums, ihr Verhältnis zur modernen Wissenschaft definieren müssen, dann erzeugen sie keinesfalls Widersprüche. Moderne Wissenschaft, Demokratie und Menschenrechte sind wie schon angedeutet ganz sicher nicht inkompatibel zum Islam, ganz im Gegenteil. Die islamische Tradition muss stattdessen erklären und ideologisch absichern, dass moderne Wissenschaftskultur oder die Menschenrechte islamisches Eigentum darstellen und die Entdeckungen westlicher Wissenschaft nur die empirische Bestätigung der koranischen Offenbarung sind. Die Probleme sie sich daraus ergeben sind ausschließlich politischer Natur. Warum es nur so möglich ist zu vermeiden, den anderen (in diesem Fall eben die europäische Geschichte) als anderen wahrzunehmen, ist eine Frage, die sich darum diesem Denken nicht stellt. Das Studium eines Autors wie Tariq Ramadan, der in Europa weitaus bekannter und populärer ist, würde uns kein prinzipiell anderes Bild zeigen. Die Krise ist daher eher ein philosophisches Problem, als ein religiöses.

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Europa, Islam und Islamophobie, Teil 2

März 16, 2010 1 Kommentar

Im ersten Teil dieses Essays habe ich mich vor allem mit den historischen Bedingungen beschäftigt, die den komplizierten Diskursen um die Rolle des Islam in der europäischen Gesellschaft vorausgehen. Wie wir gesehen haben, ist die Beschäftigung mit den historischen Tatsachen vor allem deshalb notwendig, weil sie deutlich macht, dass der Dialog, der mehr propagiert wird als er tatsächlich stattfindet, von so unterschiedlichen Prämissen ausgeht, dass es kaum Berührungen geben kann, die nicht unmittelbar zu Missverständnissen führen.

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Europa, Islam und Islamophobie, Teil 1

März 15, 2010 1 Kommentar

Seit Edward Said 1978 seine große Studie über den „Orientalismus“ veröffentlichte, gibt es eine große Diskussion über die Wahrnehmung des Islam in Europa. Eine seltener gestellte Frage ist, wie die Bewohner der muslimischen Welt eigentlich den „Westen“ sehen, und welche Rolle diese Wahrnehmung in ihrer Geschichte gespielt hat. Eine Auseinandersetzung mit dem Werk von Bernard Lewis fördert dazu überraschende Aspekte zutage.

Der britische Historiker Bernard Lewis gehört zu den kompetentesten Nahostexperten und der Geschichte des Islam. Außerdem hat er das Verhältnis zwischen islamischer und europäisch/westlicher Kultur wie kein zweiter sorgfältig studiert. Seine Texte sind einerseits von einer sehr akribischen Kenntnis der Quellen geprägt, von einer spürbaren Sympathie für seinen Gegenstand durchdrungen und zeichnen sich doch durch eine sorgfältige intellektuelle Distanz aus. In einer neueren Veröffentlichung aus dem Jahre 2002 „What went wrong“ geht er der Frage nach, warum die islamische Welt ihren einstigen Glanz und jene Bedeutung verloren hat, die sie zumindest in den Augen der muslimischen Bevölkerungen des Nahen und Mittleren Ostens für lange Zeit inne hatte.

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