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On Bullshit – Zur Typologie des Verschwörungstheoretikers

 “Never tell a lie when you can bullshit your way through.”

Eric Ambler, Dirty Story (zitiert nach Frankfurt 2005)

1.

„One of the most salient features of our culture is that there is so much bullshit. “

So beginnt der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt seinen Text „On Bullshit“ aus dem Jahr 2005. Frankfurt ist ein analytischer Philosoph in der Tradition Wittgensteins, dessen wesentlichste Arbeiten sich damit beschäftigen, was Wahrheit ist und wie sie durch korrekte Begriffe und authentische Sprechakte repräsentiert werden kann. Wahrheit, wie sie analytische Philosophie versteht ist demnach ein System, das in erster Linie logisch korrekte Sprechakte möglich macht, die eindeutig als richtige oder falsche Aussagen identifiziert werden können. Analytische Philosophie kennt keine Ebene des Unbewussten, oder lehnt solche Begriffe unumwunden ab, und würde Phänomene, die sich philosophisch nicht unmittelbar in sprachlichen Operationen ausdrücken lassen, nicht als philosophischen Gegenstand anerkennen.  Die internen Grenzen solcher Auffassungen, wenn man sie mit der spekulativen Metaphysik der europäischen Tradition konfrontiert, sollen uns in diesem Beitrag nicht weiter beschäftigen. Frankfurts analytisch präzise Sprache kann uns jedoch dabei helfen, einem Phänomen beizukommen, das sich wie eine Seuche in den Kreisläufen unserer Kultur ausgebreitet hat: Verschwörungstheorien. Obwohl es im Zusammenhang mit der Diskussion um analytische Philosophie fast absurd erscheint, wird dieser Beitrag keine Definition liefern, was genau eine Verschwörungstheorie ist und ob oder wie sich Verschwörungstheorien von ernst zu nehmenden Aussagen unterscheiden lassen. Wir überlassen diese herkulische Aufgabe Freunden wie dem Blogger Reflexion, der in unermüdlicher Arbeit Daten und Fakten sammelt, die Verschwörungstheoretiker, esoterische  Nazis und Antisemiten jeden Tag produzieren. Der Focus dieses Aufsatzes liegt auf dem Begriff des „Bullshit“ und warum es so viel davon gibt.

Frankfurts Buch „On Bullshit“ kann hier nicht in seiner ganzen sprachlichen Brillanz und Tiefe gewürdigt werden, daher werde ich werde mich nur auf die wesentlichsten Aspekte konzentrieren, die für uns hier von Belang sind. Harry Frankfurt ist ein bedeutender Philosoph der Gegenwart, der sich mit Definitionen der Freiheit beschäftigt und sich in diesem Zusammenhang mit der logischen Deduktion ethischer Prinzipien befasst. Seine Spielart analytischer Exegese konzentriert sich darauf Kriterien für Wahrheit heraus zu finden, die sich als sprachliche Operationen abbilden lassen. Analytische Philosophie betrachtet Sprache nicht als abstraktes Feature (wie das z.B. in der Linguistik Noam Chomskys oder dem Strukturalismus de Saussures zum Ausdruck kommt) , sondern untersucht sie immer als Sprechakt einer konkreten Person. Was den Begriff der Person ausmacht, würde hier zu weit führen, aber verwiesen sei hier etwa auf den Klassiker „Reasons and Persons“  (1984) von Derek Parfit, das Überlegungen zur Philosophie des Bewusstseins („Am I essentially my brain?“) mit Theorien der Sprachspiele, der Gehirnforschung und analytischen Wahrheitskonzepten verbindet. Personen, darauf sei es hier reduziert, sind handelnde Subjekte mit Absichten und Meinungen, die logisch analysierbare Sprechakte machen können. Um ein Phänomen wie „Bullshit“ präzise kategorisieren zu können, benötigt Frankfurt zu aller erst ein zuverlässiges Konzept von Wahrheit und Lüge, das wiederum eng an die intentionale  Struktur einer Person gebunden ist, die solche Unterscheidungen treffen kann. Weder Wahrheit noch Lüge sind für einen analytischen Philosophen absolute Begriffe im Sinne Hegels, sondern sie existieren nur unter dem Horizont eines faktenorientierten, Tatsachen und Zustände begreifenden Individuums, das durch eine korrekte Wiedergabe dessen, was es sieht, hört und weiß diese erzeugt. Wahrheit, darauf wollen wir uns beschränken, bedeutet also nichts anderes als die Fakten adäquat zu repräsentieren, Lüge die Fakten absichtlich inadäquat zu beschreiben. Dass eine solch simple binäre Opposition nicht geeignet ist, einen großen Teil der Sprechakte zu erfassen, die in menschlicher Kommunikation zum Ausdruck kommen, hat schon Wittgenstein bemerkt, als er mit seinem berühmten Satz „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ den Tractactus beendete. Es gibt Aussagen, die nicht eindeutig Wahrheit oder Lüge sind, möglicherweise sind sie je nach Perspektive beides oder sie sind schlicht unentscheidbar.  Nehmen wir zum Beispiel einen Satz aus einem Buch des brasilianischen Bestseller Autors Paulo Coehlo, gefunden im „Handbuch des Kriegers des Lichts“:

„Er hat gelernt, daß der Tiger die Hyäne nicht fürchtet, weil er sich seiner Kraft bewußt ist.“

Ist dieser Satz wahr oder falsch? Auf der Ebene der Fakten, also der naturwissenschaftlich begründbaren Erkenntnisse über Tiger und Hyänen macht dieser Satz keinen Sinn. Tiger haben (mit Ausnahme des Menschen) keine natürlichen Feinde und sie würden Hyänen schon deshalb nicht fürchten, weil Tiger hauptsächlich in Asien vorkommen und Hyänen vor allem in Afrika verbreitet sind und sich beide so gut wie nie begegnen. Und selbst wenn sie es tun, besetzen beide Tiere unterschiedliche Nischen in den Ökosystemen ihrer natürlichen Umgebung und  konkurrieren daher nicht um dieselben Ressourcen. Ob Tiger sich ihrer Kraft bewusst sind, ist reine Spekulation. Sie würde voraussetzen, dass Tiger eine dem Menschen vergleichbare Selbstwahrnehmung besitzen, mit der sie über ihren Körper in Bezug auf andere Körper reflektieren können.  Obwohl der Satz also faktisch keinerlei Anspruch auf Wahrheit besitzt, ist er auch nicht eindeutig eine Lüge. Um etwas als Lüge zu charakterisieren, muss eine Absicht bestehen, Fakten falsch darzustellen. Aber Coehlos Absicht war es nicht eine für Wildbiologen akzeptable Aussage über Tiger und Hyänen zu machen. Ohne über den Inhalt des Buches tatsächlich Bescheid zu wissen, würden die meisten Leserinnen und Leser diesen Satz problemlos als Metapher erkennen, mit der Coehlo seinem Publikum ein Bild anbietet, das sie für ihre Selbstwahrnehmung gebrauchen können oder dass ein Bedürfnis nach esoterisch aufgeladenen Sprechakten befriedigt, bei der Kriterien der Wahrheit oder Lüge keinerlei Rolle spielen. Weder Coehlo noch seine Leser betrachten diese Aussage als faktenbasierten Sprechakt, der etwas über Tiger und Hyänen sagen soll. Es gibt keine Täuschung, die einen Vorwurf der Lüge rechtfertigen könnte, und es existiert weder beim Autor noch beim (adressierten) Leser ein Interesse sich über die Fakten zu verständigen, was Tiger und Hyänen betrifft.

Frankfurt schlägt also vor, Sätze wie diesen als „Bullshit“ zu betrachten. Bullshit ist etwas anderes als eine simple Lüge oder ein komplexes Täuschungsmanöver. Frankfurt schreibt:

„The liar is inescapably concerned with truth-values. In order to invent a lie at all, he must think he knows what is true. And in order to invent an effective lie, he must design his falsehood under the guidance of that truth. “

Da Lüge ein Vorgang ist, der eine Täuschungsabsicht voraus setzt, muss der Lügner also einen klaren und deutlichen Begriff der Fakten haben, die er zu entstellen versucht. Zu lügen bedeutet nicht nur die Fakten genau zu kennen, (sonst ist es eine schlechte, leicht erkennbare Lüge), sondern auch, dass sich der Lügner unmittelbar an dem orientieren muss, was er als „Wahrheit“, und damit als tatsächliche Faktenlage begreift. Lügen, so Frankfurt „is an act with a sharp focus“, eine (gute) Lüge ist “designed” und erfordert „a degree of craftsmanship, in which the teller of the lie submits to objective constraints imposed by what he takes to be the truth.”

Der Bullshitter hingegen ist an solche Zwänge nicht gebunden:

„On the other hand, a person who undertakes to bullshit his way through has much more freedom. His focus is panoramic rather than particular. He does not limit himself to inserting a certain falsehood at a specific point, and thus he is not constrained by the truths surrounding that point or intersecting it. “

Bullshit, wie Frankfurt den Begriff versteht, muss daher nicht unbedingt gelogen sein. Es gibt Bullshit, wie wir noch sehen werden, der sich eng an bestimmte Fakten hält,  damit er einige andere ignorieren oder verfälschen kann. Denn:

„It is impossible for someone to lie unless he thinks he knows the truth. Producing bullshit requires no such conviction. “

Während der Lügner einen Begriff der Wahrheit (oder zumindest der Tatsachen) haben muss, die er mit der Lüge zu manipulieren sucht, ist Wahrheit oder Lüge für die Produktion von Bullshit unerheblich. Was den Lügner vom Bullshitter unterscheidet ist die Perspektive: Für den Lügner ist es wichtig die Faktenlage zu manipulieren, für den Bullshitter geht es darum seine Absichten, was er mit dem Bullshit bezweckt zu verbergen.

„What bullshit essentially misrepresents is neither the state of affairs to which it refers nor the beliefs of the speaker concerning that state of affairs. Those are what lies misrepresent, by virtue of being false. Since bullshit need not be false, it differs from lies in its misrepresentational intent. The bullshitter may not deceive us, or even intend to do so, either about the facts or about what he takes the facts to be. What he does necessarily attempt to deceive us about is his enterprise. His only indispensably distinctive characteristic is that in a certain way he misrepresents what he is up to. “

Ob es wahr ist oder nicht, was er sagt, ist für den Bullshitter unerheblich, es kommt darauf an welchen Zweck es für die Absicht erfüllt, die dahinter steht und die er durch den Sprechakt selbst  verbergen will. Das eigentliche Ziel von Bullshit ist daher, durch den Sprechakt an sich die Aufmerksamkeit des Zuhörers auf eine (für den Bullshitter unwichtige) Diskussion über Fakten, über tatsächliche oder erfundene Aussagen und Tatsachen abzulenken, weil er sein tatsächliches Motiv nicht preisgeben will. Bullshit ist ein (wirkungsvoller) rhetorischer Trick, den Inhalt eines Gegenstandes dafür zu benutzen seine politische Motivation unsichtbar zu machen. Eine erste Annäherung an unser eigentliches Thema, die Verbreitung von Verschwörungstheorien, sollte uns daher mit der Frage beschäftigen, welche Absichten die Distributoren von Verschwörungshypothesen eigentlich verbergen wollen.

2.

Seit das World Wide Web zum Leitmedium einer vernetzten Weltkultur geworden ist, hat sich der in unseren Gesellschaften versteckte Wahnsinn eine breite Öffentlichkeit verschafft. War die Gutenberg Galaxis noch eine durch zahlreiche Gatekeeper gut bewachte militarisierte Zone, in der die großen Verlage, die großen Zeitungsherausgeber und die kapitalstarken staatlichen und privaten Fernsehanstalten mit ihren Distributionsmonopolen mittels undurchdringlicher Filter  die Veröffentlichung unliebsamer Kritik verhindern konnten, hat das webbasierte und damit billigere Produktionsmittel die militarisierte Zone in ein von äußerst mobilen Campern bewohntes Niemandsland verwandelt. Das Monopol auf Information für die klassischen Medien der Gutenberggalaxis existiert nicht mehr. Wenn es also Mitte der 80er Jahre noch Sinn machte, von einem Mainstream und Mainstreammedien zu reden, dann hat sich das nach der Jahrtausendwende praktisch erledigt. Waren die berüchtigten Tabloids der westlichen Presselandschaften, also die Flaggschiffe der Boulevard und Yellow Press gewiss keine weniger gefährlichen Gegner von Aufklärung und Vernunft, so mussten auch sie sich gewissen Spielregeln der veröffentlichten Meinung beugen, weil sie schon allein durch ihre Eigentumsverhältnisse an einen Vertrag mit dem Establishment gebunden waren. Solchen Verträgen fühlen sich die neuen Medien der Blogosphäre nicht verpflichtet. Warum sollten sie auch?

Die enorme Vielfalt an öffentlich verfügbarem Material, das von 9/11 Inside Jobs bis zu den Jahrhunderte alten Plänen diverser Freimaurer zur Weltherrschaft reichen, beliefert ein großes Publikum mit Nachrichten über geheime Pläne, Prophezeiungen und Verschwörungen aller Art auf ebenso zahlreichen Online Angeboten vom Kopp Verlag bis secret.tv. Von den Voraussichten des Freimaurers Albert Pike zu den UFO Erlebnissen der Chemtrails Spezialisten: der Wahnsinn der Webgesellschaft zeigt uns ganz nachdrücklich, dass die demokratischen Strukturen des Webs nicht auf das Ziel der Aufklärung ausgerichtet sind, auch wenn die diversen Proponenten  der Blogosphäre dies gerne behaupten. Demokratisiert wurde durch das Web eben nicht die Vernunft, sondern vor allem die Distributionskompetenzen psychisch gestörter Individuen. Das Pamphlet, das die Ergüsse und abgeschriebenen Ideologeme enthielt, mit denen Anders Breivik seine Verbrechen rechtfertigte, wären in den Zeiten des Gutenberg Galaxis niemals von einem halbwegs ernst zu nehmenden Verlag mit anständigen Vertriebsmöglichkeiten veröffentlicht worden und hätte niemals auch nur einen Bruchteil der Millionen Empfänger erreicht, mit der es heute durch das World Wide Web an immer neue Interessenten weiter zirkuliert wird. (Allerdings hat diese Tatsache nichts damit zu tun, dass Breivik seine Verbrechen mit oder ohne Verbreitung seines Pamphlets begangen hätte.) Die Demokratisierung der Information, die durch das Internet stattgefunden hat, hat nicht nur die Monopole der ehemaligen Mainstreammedien ausradiert, sondern vor allem dazu beigetragen jenen durch den Mainstream noch in Schach gehaltenen Wahnsinn paranoider Idiotien wie durch einen  Dammbruch mitten in die Gesellschaft hinein fluten zu lassen.

Wie ich in meinem letzten Beitrag über den deutschen Kabarettisten Volker Pispers andeutete, kommt die heute übliche Ideologie des Ressentiments als Gestus des „Kritischen“ daher.  Mehr noch: Das Milieu der Gegenaufklärung bedient sich des gesamten Arsenals rhetorischer Versatzstücke, die „Aufklärung“ und „Kritik“ stets im Munde führen. Eine solche Umcodierung ehemals linker Rhetorik findet sich seit den späten 80ern bei fast allen rechtsextremen und rechtspopulistischen Parteien. Sie hat auch in den Segmenten antisemitischer Agitation spürbar zugenommen, die mit der Leugnung und Relativierung der Shoah beschäftigt sind. Holocaustleugner, die sich im „Institute of Historical Review“ vernetzt haben, behaupten im Namen der Wissenschaft der „historischen Wahrheit“ verpflichtet zu sein. Sie reklamieren die „Freiheit der Wissenschaft“ für sich und sprechen von „Zensur“, wenn ihre Ergüsse nicht veröffentlicht werden.

Gegenaufklärung ereignet sich durch Instrumentarien und Rhetorik der Aufklärung selbst, sie appelliert an Werte wie Fairness, fordert „Ausgewogenheit“ und betrachtet sich selbst als dissidente rebellische Kraft. Die Warnung von Adorno und Horkheimer, dass es Aufklärung selbst ist, die ihre eigene Zerstörung vorantreibt, erhält dadurch nochmals weiter beunruhigende Substanz. Die Produktion von Bullshit, der die Fundamente der wissenschaftlichen Methodologie angreift, erfolgt im Namen derselben, und wird von Leuten unterstützt, die immerzu von „Wahrheit“, „Freiheit“, „Kritik“ und gegen das „Dogma“ (der historischen Realität der Shoah) reden.

Der Prototyp dieses neuen webbasierten Gegenaufklärers ist der Verschwörungstheoretiker. Weil wie erwähnt es nicht Sache dieses Beitrags ist, zu klären was als Verschwörungstheorie betrachtet werden soll und was nicht, erachtet der Autor es für umso wichtiger die Figur des Verschwörungstheoretikers eingehender zu analysieren.

3.

Wer jemals versucht hat in eine Diskussion mit 9/11 Truthern einzusteigen kennt das Gefühl, bereits mit dem Versuch selbst seine unvermeidliche Niederlage besiegelt zu haben. Was als gut gemeinte Intervention beginnt, nämlich dass die Bilder des Anschlags zeigen, wie zwei Flugzeuge in zwei Türme rasen und nirgendwo Beweise für eine Sprengung existieren, endet mit mühsamen Diskussionsbeiträgen selbst bewusster Paranoiker über den Zusammenbruch von Gebäude 7, Auslassungen über Baustatik, die Temperatur von brennendem Kerosin oder dass Stahlträger nicht Feuer fangen können. (Die Liste ist beliebig erweiterbar.) Wenn man es nicht mit dem Publikum auf den ganz billigen Plätzen zu tun hat, die meinen in den Rauchschwaden des WTC den fiddler on the roof erkannt zu haben, oder glaubhaft versichern, dass alle Juden in den Türmen zuvor gewarnt worden sind und das Gebäude verlassen hätten, bevor die Flugzeuge einschlugen,  ist man mit technisch versierten Paranoikern beschäftigt, die scheinbar neutrale und für Nichtexperten schwer verifizierbare Aussagen machen, die sich nicht mit Logik oder gesundem Menschenverstand widerlegen lassen. (Auch die Gilde der Holocaustleugner versuchte mit „technischen Gutachten“, wie dem „Leuchter Report“ eine quasi politisch neutrale Form zu finden, ihren perversen Dreck populär zu machen.)  Für jedes logische oder faktische Argument gegen die 9/11 Truther Fantasien gibt es dutzende Argumentationsmuster, die aus dem Versagen der US Flugabwehr eine großangelegte Verschwörung der US Regierung ableiten oder angebliche Zeugenaussagen von Feuerwehrleuten und Rettungspersonal nach dem Anschlag anführen, die Sprengungen an den Fundamenten gesehen haben wollen. Es existieren unzählige Experten, die behaupten, dass Gebäude nicht wegen Feuer einstürzen können, oder dass die Art des Einsturzes der beiden Türme nur durch Sprengung  zu erklären sei. Die eigene Unfähigkeit ein einziges rationales Argument zu bringen, das einen Truther dazu bewegen könnte, von seiner großmäuligen Selbstsicherheit Abstand zu nehmen, verführte den Autor dieses Beitrags etwa dazu in solchen Foren unfassbar genervt selbst zweifelhafte Argumente über Baustatik und die Temperatur von brennendem Kerosin einzubringen und ab diesem Punkt ist man natürlich längst rettungslos verloren. Der Idiot, wie es so schön heißt, zieht dich runter auf sein Niveau und schlägt dich dann mit Erfahrung.

Allerdings kann man aus den Auseinandersetzungen mit 9/11 Truthern einiges über die Psychologie von Verschwörungstheoretikern lernen.  Einigen veröffentlichten Untersuchungen zufolge glaubten zu bestimmten Zeiten des Irakkriegs mehr als ein Drittel aller Amerikaner, dass die Attentate des 11. September ein Inside Job des politischen Establishments in Washington und Langley gewesen sind. Ein Drittel der amerikanischen Bevölkerung hat in der Vergangenheit ausgereicht um den Präsidenten zu wählen, also ist die weitverbreitete Meinung, dass 9/11 kein Anschlag von muslimischen Terroristen, sondern ein gigantisches Komplott mächtiger verborgener Akteure gewesen sein muss, schlicht selbst ein Mainstreamphänomen. Ähnlich absurde Konstellationen erblickt man in regelmäßigen Umfragen, dass überwältigende Mehrheiten in Europa Israel für eine Bedrohung des Weltfriedens und die Siedlungspolitik im Westjordanland für eine Art Kriegsverbrechen halten, aber gleichzeitig bei dieser Mehrheit sich die Ansicht durch gesetzt hat, Kritik an Israel sei verboten oder würde mit der „Antisemitismuskeule“ mundtot gemacht. Obwohl Verschwörungstheoretiker also selbst den opportunistischen  Kern dieses Mainstreams ausmachen, stellen sie sich als eine verfolgte Minderheit dar.

Der Verschwörungstheoretiker hält sich für „kritisch“ und glaubt er sei „gegen den Mainstream“. Diese Selbstbeschreibung ist wesentlich dafür, zu erkennen, ob etwas als Verschwörungstheorie zu gelten hat oder nicht. Eine Sendereihe des verschwörungstheoretischen Internet TV Channels secret.tv trägt daher auch den Untertitel „Gegen den Strom“. Die populäre Internetfilmreihe „Zeitgeist“, von der es mittlerweile schon drei Teile gibt, soll der eigenen Wahrnehmung zufolge den Zeitgeist kritisieren, bringt ihn jedoch auf den Punkt, indem sie die opportunistische Pseudokritik als Geheimwissen entfaltet.   Gerade die ungeheure Vielfalt veröffentlichter Meinung, die jeden Konsumenten mit genau jener Information versorgt, die er zur Unterstützung seines Mindframes benötigt, wird zur Konstruktion einer engstirnigen Ideologie benutzt, die Widerspruch und Kritik an dieser Praxis als „Propaganda“ denunziert. Die Umcodierung des Wortes „Propaganda“ scheint für den Typus des Verschwörungstheoretikers konstitutiv zu sein. Dass „Propaganda“ eine Form der Kommunikation darstellt, die historisch eng mit Marketing und Werbung verknüpft ist und sich eigentlich dadurch auszeichnet, dass sie in ihrer modernen Form in den Worten Noam Chomskys als „manifacturing consent“ funktioniert, entgeht den blinden Idioten der Verschwörungsfront natürlich völlig. Propaganda, richtig verstanden, bedeutet, dass dem Konsumenten eine Sicht der Dinge angeboten wird, die ihn auf der allgemeinsten Ebene von Meinungsbildung unterstützt, also ihm quasi nach dem Mund redet. „Propaganda“ im Universum des Verschwörungstheoretikers gilt jedoch alles, was seine Sicht der Dinge (und sein Selbstbildnis) kritisiert und ihn dazu bewegen müsste sich mit diesen Argumenten auseinander zu setzen. Während die überwältigende Mehrheit der Medien und politischen Akteure israelische Politik kritisiert und mit Bannflüchen belegt, ist proisraelische Haltung natürlich „Propaganda“, die von den Systemmedien per Gehirnwäsche den wehrlosen Antisemiten aufoktroyiert wurde, die verständlicherweise darauf nur mit antisemitischer Rebellion gegen die imaginäre Übermacht der zionistischen Bilderberger reagieren können. Menschen, die nicht an diese Verschwörungen, Komplotte und Strippenzieher hinter den Kulissen glauben werden von den „Systemmedien“ manipuliert, und sind Teil einer anonymen Herde von gutgläubigen Schafen. Diese Selbstwahrnehmung wird z.B. von Holocaustleugnern gerne als „Tabubruch“ und Kampf gegen etablierte dogmatische Auffassungen inszeniert. Aus ihrer Sicht ist  die Erinnerung an die Shoah  quasi ein Inquisitionsgeschäft, das sie – die Holocaust Leugner – als mutige Kämpfer gegen die Übermacht jüdischer Verschwörungen verfolgt. Aber selbst bei politisch weniger brisanten Themen wie dem Klimawandel, der amerikanischen Mondlandung, der Evolutionstheorie oder der Politik der Europäischen Union machen sich ständig mutige Verschwörungsaufdecker bemerkbar, die etabliertes Wissen in Frage stellen und die angebliche Meinungshegemonie bekämpfen. Der Absurdität solcher Konstrukte sind keine Grenzen gesetzt. Wird die Informationspolitik der US-Regierung kritisiert, Nachrichten aus der Ecke westlicher Geheimdienste in Frage gestellt, erkennt man den Verschwörungstheoretiker daran, dass er Nachrichten von iranischen Geheimdiensten oder Feinden des israelischen Staates umstandslos glaubt. Dass der britische Linkspolitiker George Galloway für den iranischen TV Kanal Press TV arbeitet (nachdem er jahrelang ein Lobbyist des iranischen Erzfeindes Saddam Hussein gewesen ist), stört keinen aufrechten Antizionisten, solange der Bias den richtigen Spin hat. Die wirrsten Spekulationen über die Verseuchung des syrischen Widerstands gegen das Assadregime durch Jihadisten und islamistische  Verbrecher wird umstandslos in eine Pseudokritik über den „US-Imperialismus“ eingebaut, mit der man humanistisch verbrämt den Widerstand gegen Syriens Baathdiktatur als ausschließlich saudisches Islamistenkomplott denunziert. Dieselben Jihadisten jedoch, die einige Jahre zuvor über Syrien mit Billigung des Assadregimes in den Irak eingesickert sind, und dort über hunderttausend Zivilisten durch Bombenanschläge und Terrorkampagnen ermordet haben, wurden damals von den besorgten Bürgern der verschwörungstheoretischen Kolonnen als legitimer „antiimperialistischer Widerstand“ gefeiert, ohne diesen Widerspruch auch nur zu bemerken.

Wir erkennen das Muster des Bullshit, das Harry Frankfurt so treffend analysiert hat: der Verschwörungstheoretiker mag bestimmte Fakten richtig wiedergeben, oder Aussagen treffen, die wahr sind, aber es ist weder Wahrheit noch sind es Fakten, die ihn interessieren. Es geht darum, die Absicht, die hinter dem Report der Fakten stehen zu verbergen. Was diese Absichten sein könnten, damit wollen wir uns im Anschluss beschäftigen.

4.

Bullshit, das bekräftigt Harry Frankfurt „is not concerned with truth-values”, sondern eine Form politischer Rhetorik, die ihre politischen Absichten und Ziele verbergen will. Die Unabhängigkeit von Zwängen der Wahrheit oder Lüge macht Bullshit für Frankfurt zu einem ungleich gefährlicheren Feind der Vernunft als es die Lüge jemals sein könnte. Lüge und Wahrheit stehen in einem komplexen Verhältnis zueinander, das ständig durch eine metaphysische Balance ausgeglichen werden muss. Obwohl diese Dialektik keineswegs stabil ist, und von Rissen, Brüchen und logischen Paradoxa durchzogen ist, so garantiert sie doch eine Bindung des Sprechakts an eine objektive Realität, an der er sich logisch und semantisch zu messen hat. Wahrheit kann bezweifelt, neu geschrieben oder auch negiert werden, aber sie hat eine grundlegende Existenz in der menschlichen Natur des Begehrens und der Vernunft. Wahrheit ist ein gesellschaftliches Vertragsverhältnis, das die Teilnehmer, die diesen Vertrag eingehen als Subjekte konstituiert. Wissenschaft, Philosophie und Religion stellen unterschiedliche Formationen dieses Gesellschaftsvertrags dar, der notwendigerweise verhandelbar ist, aber Subjekte und ihr Begehren als mündige vertragsfähige Partner diskursiv bindet. Wahrheit als Konzept ist letztlich nichts andres als eine stabile Beziehung in jedem Sinn des Worts, ein Pakt mündiger Vertragspartner. Der Bullshit der Verschwörungstheorie kündigt diesen Pakt unmissverständlich auf. Philosophien und Ideologien, die objektive Wahrheit hinterfragen stellen ihre Universalität in Frage, nicht ihre Existenz. Verschwörungstheoretiker suspendieren Wahrheit jedoch zugunsten einer totalitären Agenda, in der es kein Vertrauen in eine verlässliche Beziehung der historischen Realität zu ihrer Erzählung mehr gibt. Die ambivalente Beziehung der Wahrheit zur perspektivischen Vielfalt ihrer Betrachtungsweisen wird eben nicht in Eindeutigkeit oder Ordnung übersetzt, wie manche Beobachter rechtsextremer Politik zutrauen, sondern ganz im Gegenteil: Die Welt der Verschwörungstheoretiker und ihrer politischen Adressaten besteht aus Chaos, Misstrauen und ständiger Angst.  Ihr Ergebnis sind paranoide Individuen, die kein Vertrauen mehr in die (eigene) Fähigkeit besitzen, die „Nichtidentität“ (Adorno) von Begriff und  Gegenstand, von ich und dem Anderen, von Wahrheit und Lüge rational zu durchschauen. Was ihnen Angst macht ist nicht das Chaos, sondern die „Arbeit des Begriffs“ (Hegel), die erforderlich ist eine komplexe Ordnung analytisch zu durchdringen. Menschen, die ihre Geschichte als Verschwörungen übermächtiger Agenten wahrnehmen sind verwundbar, und sie hassen die Ambivalenz so sehr, dass sie das exzessive Chaos begehren, mit der die Stacheln der Rationalität abgeworfen werden können, die sie als lästiges Geschirr oder Zügel empfinden, die sie an überflüssig empfundene Gesellschaftsverträge fesselt.

Was Verschwörungstheoretiker wollen ist – ganz nebenbei bemerkt – das, was in einem zeitgeistigen Diskurs des Ressentiments als Postmoderne betrachtet wird: die Auflösung objektiver Rationalität, den Bruch des Paktes der Vernunft mit der Subjektivität. Wo Ich war soll Es werden, so könnte man die psychische Disposition des Verschwörungstheoretikers beschreiben. Wer an Verschwörungstheorien glaubt, will das Vertrauen darin zerstören, dass auch eine als unübersichtlich empfundene Welt prinzipiell beeinflusst werden kann. Ein merkwürdiges Paradox verschwörungstheoretischer Umtriebe ist daher ihr totales Desinteresse an tatsächlicher Politik. Durch die Behauptung des „Kritischen“ und des „Hinterfragens“ soll Politik bloß als rhetorische Übung simuliert werden, eine Bullshit Strategie, der man nicht auf den Leim gehen sollte. Verschwörungstheoretiker produzieren keine Wutbürger, sondern manipulierbare paranoide Individuen, die jeden Bezug zu einer Realität verloren haben, die in den Mühen der Ebene stattfindet. Ihr Potential schlummert, ist kaum zu erkennen und nur durch einen entsprechenden politischen Willen, der seine Interessen anhand der Manipulierbarkeit solcher Menschen konfiguriert, mobilisierbar. Diese Unfähigkeit zu tatsächlicher Politik ist einer der wichtigsten Schwächen der verschwörungstheoretischen Mindsets und aller ihrer Spielarten und sie auszunutzen das oberste Gebot einer intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Bullshit, der uns überall begegnet.

In einigen Gesprächen, die ich vor und während der Abfassung dieses Beitrags mit verschiedenen Leuten führte, gab es Einwände und Anmerkungen, dass der Schluss, der aus diesen Überlegungen zu ziehen wäre, nur einen weiteren konservativen Kulturpessimismus nahe legen würde. Konkret erinnerte mich eine Gesprächspartnerin daran, dass Mitte der 90er Jahre eine Mode zu beobachten war, negative Entwicklungen der postkommunistischen Ära als Effekt der Postmoderne zu betrachten. Terry Eagleton’s „Illusionen der Postmoderne“ schob stellvertretend für viele andere die Schuld an der Niederlage des Marxismus bestimmten französischen Autoren zu, die mit ihren Zweifeln an einem objektiven Rationalismus die Vernunft zerstört hätten. Solchen Überlegungen kann der Autor dieser Zeilen nichts abgewinnen. Alle Phänomene, die ich beschrieben habe sind ein Effekt der kapitalistischen Globalisierung, die ob man sie gut oder schlecht findet eine Tatsache darstellt, mit der man sich beschäftigen muss, und die ganz neue Probleme politischer Interaktion schafft, die man erst einmal analysieren sollte, bevor man sie bewertet. Was uns an diesen Entwicklungen beschäftigen sollte, ist der Paradigmenwechsel, der sich im Sprung von der Gutenberg Galaxis zum World Wide Web ereignet hat.

Die Informationsfilter die die Gatekeeper der Gutenberg Galaxis der Gesellschaft aufzwangen hatte den Effekt, dass Geschichte und Wahrnehmung als eindeutiger Raum identifiziert werden konnten. Dissidente Stimmen und rebellische Geister mussten sich daran abarbeiten, dass die Kontrolle über Presse, Verlage und Medien bei kapitalstarken Eigentümern lag, die den Spin der Nachrichten bestimmten. (Noam Chomsky und Edward S. Herman haben 1988 in „Manufacturing Consent“ diese Mechanismen äußerst scharfsinnig analysiert.)  Alle Marktteilnehmer, ob Produzenten oder Konsumenten bildeten jedoch einen gemeinsamen Raum, in dem der Mainstream den Underground und seine diversen Subkulturen mit definierte und über diese unscharfe Abgrenzung hinweg Brücken zwischen diesen Akteuren schuf. Diese Brücken brachen mit dem Verschwinden des Informationsmonopols der alten Medien weg. Es gibt keinen Mainstream mehr, der einen gemeinsamen Raum schaffen würde. Die ungeheure Vielfalt an Information der Webgesellschaft führt dazu, dass sich jeder Marktteilnehmer, unterstützt durch die technologische Individualisierung mobiler Endgeräte, seinen persönlichen Nachrichten und Informationsbias konsumtechnisch garantieren kann. Das Paradoxon besteht darin, dass es gerade die ungeheure Auswahl ist, die zu persönlich abgestimmten Monokulturen der Informationsverarbeitung des Konsumenten führt. Verschwörungstheoretiker sind darum keine Anomalie, sondern die extremistische Zuspitzung dieses Phänomens.

  1. Bernhard Huber
    Januar 5, 2013 um 17:14

    Interessante Analyse; Hast du vielleicht eine deutsche Übersetzung für „Bullshitter“? Auf gut wienierisch fiele mir „so a schaaß“ ein, aber auf hochdeutsch?

    Beim Durchlesen des Textes fiel mir ein Zitat ein „Wer stark ist, kann es sich leisten, leise zu sprechen“. Ich glaube von Theodor Roosevelt stammt der Ausspruch und läßt sich auch dahingehend lesen, dass unaufgelöste Widersprüche eine Person veranlassen diese lautstark zu verbergen.

    • Januar 5, 2013 um 19:37

      Gute Frage! Ich habe auch überlegt, ob man ein deutsches Äquivalent einsetzen kann, aber mir ist kein geeignetes eingefallen. Ein Vorschlag wäre z.B. Dummschwätzer, aber das ist sehr deutsch. “so a schaaß” trifft’s natürlich am ehesten, aber auch nur bedingt: Bullshit ist oft schwer zu erkennen, und nicht viele würden darauf mit “so a schaaß” reagieren. Frankfurt nennt als Beispiel für Bullshit auch Leute, die von Sachen reden,von denen sie keine Ahnung haben, aber durch ihren Jargon das verdecken können.

      • Bernhard Huber
        Januar 6, 2013 um 06:25

        Wie wär’s mit: Blender, Großmaul, Vielschwätzer, „Hast-du-kein-Eltern“, Quatschkopf, Sophist, Quasel-Tante/Onkel, Wirrkopf, Blööödmann?

        • Januar 6, 2013 um 11:49

          Ich würde sagen, das trifft es nicht. Wir müssen uns den Bullshitter als jemanden vorstellen, von dem wir wissen, dass er ein Idiot ist, das aber für die meisten anderen nicht so ohne weiteres erkennbar zu sein scheint. Nehmen wir Paulo Coehlo, ein Bullshitter der Extraklasse. Seine Literatur als Dummschwätzerei, ihn als Blender, Großmaul, Vielschwätzer, „Hast-du-kein-Eltern“, Quatschkopf, Sophist, Quasel-Tante/Onkel, Wirrkopf, Blööödmann zu beschimpfen ist zwar zulässig, bewirkt aber nichts. Zumindest bei denen, die ihn lesen und die Fans sind nicht.Die sind höchstens abgestoßen, dass man ihr Idol beleidigt. Coehlo hat immerhin 160 Mio Bücher verkauft.

          Der Bullshitter ist ein Denunziant. Für ihn sind alle anderen „gehirn gewaschen“, „Schafe“, „Nachbeter“ etc.

          Für mich sind folgende Begriffe besser: Gemeindebau Blockwart, Gesinnungsnazi, Sonntagsfaschist, Wurmloch Kataklyst, Kultur Defibrillator, Shitsturmbannführer, Nebenhirnreichsverweser, Sauschädelhirntraumdeuter, Propagandaschastrommelfell sen., Invektivkapuziner, Rudimentärmainstreamer, Ephemer Tiefseeforscher, Alphaomeganutztierquäler, Gegenwechselstrombüchse, interaktiver Einsiedlerindividualverkehr, Sexualstrafanstaltshalbleiter,…

  2. Medley
    Januar 10, 2013 um 07:26

    Nein, ach was. Verschwörungstheorien haben für den „Bullshitter“ eine -psychologisch gesehen- ganz simple Funktion: Sie sollen ihn, als den Verlierer eines wie auch immer gearteten (auch ideologischen)Wettbewerbes, mittels der Verschwörungstheorie (wieder)zum eigentlichen Gewinner machen. Der „Bullshitter“ will also damit innerlich quasi wieder über Wasser auftauchen und Luft zum Atmen bekommen. Die Verschörungstheorie hat also insofern eine starke seelische Entlastungsfunktion. Das Denkmusters des Verschwörungstheoretikers, bzw. des Anhängers einer Verschwörungstheorie ist diese, dass er zu sich sagt: „Habe ich verloren, weil ich schwächer oder schlechter war? Nein, das kann und das DARF nicht sein, weil es für mich unerträglich ist. Vielmehr hat der andere, hat der Gewinner fiese Tricks benutzt, hat gemogelt, hat sich also hinter meinem Rücken konspirativ „VERSCHWOREN“, um zu gewinnen. Hätte er dies nicht getan, so wäre tatsächlich ich der Stärkere, der Überlegenere und damit der eigentliche Gewinner gewesen, der den verdienten Sieg davongetragen hätte.“

    Und diese „Verschwörer“, die sind idR einer externen Gruppe zugehörig oder bilden für sich eine externe Gruppe, zu der man selbst nicht zugehört, oder sie sind eine separierte Gruppe innerhalb der eigenen Gruppe, zu der man sich zählt und gehen zu einem (verschwörerischerweise) in (vermeindliche)Opposition.

    Das Beispiel einer Verschwörungstheorie eines Unterlegenen:

    „Hätte mein Boxgegner, wie ich vermute, nicht irgendein Metallstück, wie zB, ein Hufeisen im Handschuh gehabt, so wäre ich garantiert nicht ko gegangen und hätte den Kampf gewonnen. Hätte der gegerische Boxpromotor nicht die Zuschauer manipuliert und gekauft, so hätten sie mich nicht ausgebuht und ich hätte gewiss gewonnen. Hätte der gegnerische Trainer mir nicht mutmaßlich was ins Getränk getan, so wäre ich nicht so unkonzentiert, fahrig, zielungenau und schwach gewesen und hätte garantiert gewonnen. Hätten’se nicht den Schiedsrichter bestochen, dass er zu meinem Nachteil entscheidet, so hätte ich garantiert gewonnen. Hätte man mutmaßlich selbst meinen Trainer nicht gekauft, der mich schlecht trainiert und mich mit schlechten Equipment ausgestattet hat, so hätte ich gewonnen. Hätten sich sich nicht alle, alle, aber wirklich ALLE gegen mich VERSCHWOREN, so wäre ich garantiert der Gewinner des Boxkampfs gewesen.“

    Oder auch: „Hätte die Konkurrenz meines Unternehmes nicht…dann wären wir….“ oder „Hätten die kapitalistischen Staaten/Politiker nicht….dann wäre der Sozialismus…“ oder „Hätten die Juden nicht…..dann wäre Deutschland…..“ oder „Hätten die Amerikaner/ausbeuterischen US-Konzerne nicht…dann wären die Menschen in der dritten Welt…“ oder „Hätte Israel nicht….dann wäre der nahe Osten…“ oder „Hätten die Widersacher in meiner Partei/in meiner Firma/usw. nicht gemeinsam gegen mich…dann…“ oder „Hätten die Freundinnen/Arbeitskollegen/Eltern/usw. meiner Ex-Partnerin, die mich alle nicht leiden können, nicht hinterhältig gegen mich gehetzt, dann wären wir noch…“ oder „Hätten die gierigen Banken/Banker nicht gemeinsame Sache gemacht, dann wäre…“ undsoweiterundsofort.

    Okay?!

    • Januar 10, 2013 um 10:59

      Ich glaube, dass sie zwar durchaus Recht haben, aber zu sehr an einem inhaltlichen Aspekt sich orientieren. Sie verwechseln den Inhalt einer Aussage mit ihrer strategischen Position. Oder anders: Was in einer Aussage inhaltlich steht, muss nciht deckunsgleich sein damit, warum sie gemacht wird. Bullshit bezeichnet meiner Meinung nach eine Form und weniger einen konkreten Inhalt. Dass Ausreden und Verschwörungstheorien zur Entlastung eines psychischen Konflikts dienen, ist unbestritten, aber das Beispiel mit dem Boxer, der vermutet, dass sein Gegner nicht nach den Regeln spielt, muss nicht falsch sein. Ausreden und Selbstmitleid sind nicht unbedingt Bullshit. Es ist prinzipell überprüfbar, ob der Boxer korrekte Mittel benutzte und das Framework eines Boxkampfs kann solche Kontrollmechanismen zur Verfügung stellen. Aber genau das unterscheidet ihr Beispiel von 9/11 Truthern. Es gibt kein unabhängiges Framework, das diese Thesen jemals hätte bestätigen können, weil jeder Widerspruch dazu, ja bereits Ausdruck der Verschwörung ist, die man mit dem 9/11 Scoop aufdecken wollte.
      Was 9/11 Truther vor allem auszeichnet, ist ihre Fähigkeit den Focus auf Punkte zu legen, deren Wahrheitsgehalt unentscheidbar ist. Was Verschwörungstheoretiker ausnutzen ist die grundsätzliche Skepsis wissenschaftlicher Redlichkeit. Wenn sie kein Baustatiker sind, ihnen aber jemand glaubhaft versichert, er sei einer und als Experte ist er der Meinung, dass Stahlträger nicht brennen können, werden sie als Laie zumindest eine zweite Minung einholen wollen oder ihre eigene Position überdenken. Es gibt genügend Baustatiker, die ihnen sagen werden, dass die 9/11 Thesen Blödsinn sind, aber technsiche Probleme haben nun einmal die Angwohnheit, dass sie von verschiedenen Experten unterschiedlcih beurteilt werden können, aber formal immer als „Wahrheit“ im Sinne von Faktentreue daher kommen. Diesen Gap nutzen Verschwörungstheoretiker aus. Verschwörungstheoretiker nutzen die Tatsache aus, dass Zweifeln und Hinterfragen zur rationalen Durchdringung der Welt gehört, indem sie behaupten, dass technische Erklärungen politisch neutral sind, und daher stimmen müssen. Die Diskussion über Baustatik und die Temperatur von brennendem Kerosin nach dem Aufprall des Flugzeugs sollen aber etwas anderes bewirken: sie sollen die Aufmerksamkeit (eine False Flag Operation sozusagen) der Beteiligten weg von der Tatsache des Terroanschlags lenken, um sein mörderischen Dimension nicht wahrzunehmen zu müssen. Verschwörungstheoretiker haben einen politischen Bias, und ihr Unternehmen dient einzig zu dem Zweck, dass an dessen Ende der Schuldige stehen muss, der vorher bereits festgestanden hatte: die US Regierung, die Juden, Halliburton, die Neocons, die Finanzindustrie etc.
      Wenn man 9/11 Truther genau beobachtet, dann wird man feststellen, dass alle Verschwörungstheoretiker immer allen anderen einen politischen Bias unterstellen, aber selbst behaupten im Namen der Wissenschaft und auf der Grundlage objektiver Fakten zu agieren. Wenn man dies beobachten kann, hat man einen Verschwörungstheoretiker identifiziert. Ich würde also sagen, dass es um ein formales Problem geht, nicht um ein inhaltliches.
      Die intelelktuelle Arbeit, dies in jedem fall nachzuweisen ist enorm. Ich sage nicht, dass Frankfurts Theorie des Bullshit, alle Probleme löst, die durch Verschwörungstheorien entstehen, aber sie sind ein Anfang.

      • Medley
        Januar 10, 2013 um 14:11

        @jurek

        Diese „Bullshitter“, bzw. „09/11 Truther“, wie Sie die Leute nennen, sind idR. Verlierertypen, die sich nicht mit ihrer sozialen Rolle abfinden können, gleichzeitig aber in ihrer Ohnmacht nicht wissen, wie sie ihrer unvorteilhaften, bzw. ihrer als Unvorteilhaft empfundenen Lebensituation mit eigener Kraft entfliehen können. Also bauen sie sich in ihrer Not, wie die kleinen Kinder, ein geistiges Märchenschloss aus Lebenslügen, in dem sie der König „Überblick“ sind. Um dieses Ziel zu erreichen wird die ihnen nachteilig erscheinende Wirklichkeit ganz einfach umdichtet, indem sie die Realitäten zu ihrem Vorteil mit entsprechend intelektuell kruden Argumenten und Theorien zurechtbiegen.(Ich denk mir zum Beispiel, daß damalig den Anhängern von Jesus Christus der unnatürliche Tod ihres Propheten als eine so unerklärliche Niederlage, als ein so unerklärliches Versagen ihrer ganzen weltanschaulichen Überzeugungen, Gewissenheiten und daraus abgeleiteten Wahrheiten erschienen ist, dass sie anschließend die ganze Geschichte -inklusive der erfundenen Auferstehung nach drei Tagen und die ihm unterstellten Vorahnungen seines Todes beim letzten Abendmahl, usw.- so umdichteten, daß die ganze Sache wieder passte und man dabei als „Sieger“ hervorging. Ein direkt von Gott gesannter Himmelssohn und wahrhaftiger Messias, der kann doch nicht so profan am Kreuz sterben? Das geht ja schon mal garnicht! Also musste die Sache mittels einer Verschwörungstheorie inclusive Judas, Pontius Pilatus, Pharisäer und Co. und allerlei sonstiger Tricks zurechtgebogen werden, um wieder auf der Gewinnerseite zu stehen. Insofern betätigten sich seine Jünger nach seinem Ableben in gewisser Hinsicht auch als „Truther“, richtig?!)

        Zudem adelt sich so ein Verschwörungstheoretiker mit seiner Theorie auch noch keck selbst, gemäß dem Motto: „Hey, kuckt mal hier, Leute! Ich bin der coole „Checker“. Ich hab‘ den vollen, totalen Durchblick. Ich durchschaue, erkenne und enttarne alle Strippenzieher und Verschwörer, während ihr armen, dummen, naiven Mainstreamgefolgsleute von Null_und_Nix eine Ahnung habt.“ Der Befriedigung des eigenen Großartigkeitsbedürfnis dient so ein „Truther“-Dasein also auch noch.

        „…sie sollen die Aufmerksamkeit (eine False Flag Operation sozusagen) der Beteiligten weg von der Tatsache des Terroanschlags lenken, um sein mörderischen Dimension nicht…“ wahrzunehmen zu müssen.“

        Naja klar doch! Ganz einfach, weil man mit den mörderischen 09/11-Terroristen -in welcher Dimension auch immer- sympathisiert. Man hat mit ihnen vermeintlich(oder tatsächlich, was ich aber anzweifle) gemeinsam, dass man wie sie zu den „Schwachen“, den Abgehängten, den Verlierern, den Magenalisierten, den Benachteiligten, den Unterdrückten, den Diskriminierten, den Stigmatisierten, den „Ausgebeuteten“ oder zu sonstigen Peronenkreisen gehört, die in der Gesellschaft im Schatten des lichten Lebensglücks de anderen stehen. Das schweißt in gewisser Hinsicht, -wenn in dem Fall auch nur mental- zusammen.

        „Verschwörungstheoretiker haben einen politischen Bias, und ihr Unternehmen dient einzig zu dem Zweck, dass an dessen Ende der Schuldige stehen muss, der vorher bereits festgestanden hatte: die US Regierung, die Juden, Halliburton, die Neocons, die Finanzindustrie etc.“

        Richtig. Die Großen, die Mächtigen, die Reichen, sprich: die „STARKEN“, die müssen an ALLEM Schuld sein, sagen die „Schwachen“, bzw. ihre Vertreter, die „Anwälte“ der Schwachen. Typisch linkes, marxistisches Denk-, Argumentations- und Verbalisierungsmuster. Haben Sie absolut Recht!

        „Wenn man 9/11 Truther genau beobachtet, dann wird man feststellen, dass alle Verschwörungstheoretiker immer allen anderen einen politischen Bias unterstellen, aber selbst behaupten im Namen der Wissenschaft und auf der Grundlage objektiver Fakten zu agieren.“

        Das ist glasklares, extrem parteiliches „Freund_Feind“-Denken, das etwas anderes, etwas differenzierteres als eine „Schwarz_Weiss“-Klassifizierung garnicht zulässt: „Wir argumentieren nur im Namen der Wissenschaft und nur auf der Grundlage objektiver Fakten und haben damit eine blütenweisse Weste und sind GUT und ihr habt nur immer einen politischen Bias und damit eine rabenschwarze Weste und seit BÖSE.“

        Souveräne, starke Menschen mit guten Argumenten und nachweisbaren Fakten brauchen solche Denk- und „Sprechakt“muster nicht. Schwächlinge mit schlechten Argumenten und dürftigen Beweisen hingegen schon, um zumindest ansatzweise mithalten zu können. DAS ist leider deren Tragik. Glauben sie denn, dass zB. ein Jakob Augstein so einen antisemitischen Unfug in seiner „Im Zweifel Links“-Kolumne schreiben würde, wenn er richtig gute, sachliche Argumente und Fakten gegen das (starke)Israel in den Hand hätte? Hat er aber natürlich nicht. Also muss er verbal und diskursiv foulen und blutgrätschen, bis es selbst den SWC-Linienrichtern in LA zu bunt wird, um im ideologischen Spiel „Links versus Rechts“ nicht vor seinem Publikum ins hoffungslose Hintertreffen zu geraten. Ist doch irgendwo logo.

        „Ich würde also sagen, dass es um ein formales Problem geht, nicht um ein inhaltliches.“

        Nein. Die Form ist eigentlich nur dazu da, den Inhalt wirkmächtig umzusetzen und dieser Inhalt ist (die eigene) Schwäche mittels einer Verschwörungstheorie in (eigene) Stärke umzuwandeln. Die Art der Form ist dabei eigentlich egal. Hauptsache sie ist wirksam, sei sie dabei auch noch so fies und unfair. Und ziemlich fies und unfair sind die Methoden der Verschwörungstheoretiker ja alle, da stimmen sie doch sicher mit mir überein.

  3. Medley
    Januar 10, 2013 um 08:39

    Anmerkung:

    Warum gibt es eigentlich diese 9/11-Verschwörungstheorien? Nun, aus der Perspektive der 9/11-Verschwörungstheoretiker und ihrer Anhänger ist/soll die USA immer! die starke, überlegene Supermacht und damit gesehen immer der „Täter“, also quasi immer „das Böse“ an sich sein. Hingegen sollen die Muslime/dritte Welt/usw. immer! die Schwachen und damit immer „die Opfer“ also quasi immer „die Guten“ sein. Am 11. September 2001 um ca. 09:00 Uhr Ortszeit hatte sich die Sache aber nun genau umgekehrt. Die USA wurde an dem Tag mittels vier Passagierflugzeuge an ihren empfindlichen, ungeschützten, angreifbaren Stellen getroffen. Nun waren die Vereinigten Staaten plötzlich -und das auf eine sehr menschlich-mitfühlende Art_und_Weise- ein schwaches Opfer und damit im Konflikt „die Guten“, hingegen die Muslime/Dritteweltangehörige/usw. die dominaten, Stärke und (All-)Macht ausstrahlenden Täter und damit „die „Bösen“. Nur durfte das in den Augen der Verschwörungstheoretiker und ihrer Fans einfach nicht sein. Das passte auf keinen Fall in deren Weltbild. Also wurde flux eine Verschwörungstheorie entwickelt und mit ihr die ganze Geschichte(„9/11“) geschickt so gewurstelt-verschwurbelt umgedichtet, bis wieder alles passte und die eigene Weltanschauung und das eigene Überlegenheitsgefühl als Besitzer der richtigen, wahren Wahrheit wieder hergestellt wurde und man anschließend als der ideologische Gewinner der ganzen Sache dasteht, naja……sich zumindest als GEWINNER der ganzen Sache FÜHLT, was ja auch -zumindest psychisch- entlastend ist.

    • Januar 10, 2013 um 11:25

      Ich kann das nur bestätigen, was sie sagen, obwohl ich sogar noch weiter gehen würde. Ich habe den größten Widerstand bei 9/11 Truthern erzeugt, als ich meinte, die Anschläge seien durch Schlamperei, Inkompetenz und Umachtsamkeit durchführbar gewesen. Dass die Weltmacht USA vielelicht doch nicht so mächtig ist, das konnte von diesen Typen keiner glauben. Ich habe es an anderer Stelle in diesem Blog bereits erwähnt: Die SouthPark Folge 9 der 10. Staffel (die deutsche Version heißt „Scheiß Paranoia“) beschreibt die 9/11 Truther am besten: die 9/11 Truther sind eine Verschwörung der US Regierung, um den Eindruck zu erwecken, sie wäre allmächtig, obwohl sie korrupt und inkompetent ist.
      Das trifft es am besten, finde ich.

  4. Januar 15, 2013 um 18:52

    Mir gefällt die Verachtung gegenüber Coelho, den ich wohl auch irgendwann mal gelesen habe, kann mich nicht erinnern. Um den Spaß mal zu bebildern, hier ein Foto das ich auf dem Nachhauseweg aus meiner Lieblingskneipe geschossen habe. Besonders erfreulich ist, das es auf diesem Bild regnet, wie am Schirm zu erkennen ist. Nicht auf dem Bild zu sehen: der restliche Inhalt der Bierflasche, den ich dort stehen lasse.

  5. K. Jung
    Mai 18, 2014 um 11:34

    Mich interessiert: Wie grenzen Sie (resp. Frankfurt) den Sprechakt „Bullshit“ von dem Sprechakt „Metapher“ ab? Leider wird das nun gerade an dem Eingangsbeispiel von Coelho für mich überhaupt nicht deutlich, auch nicht, warum es der Neudefinition „Bullshit“ bedarf.
    Mir missfällt persönlich die (überhebliche?) Abwertung in dem Begriff, auch wenn ich Coelhos Geschreibe durchaus für Bullshit halte.

    • Mai 26, 2014 um 20:18

      Ich verstehe Metapher nicht als Sprechakt. Ein Sprechakt, wie Bullshit zum Beispiel ist keine bestimmte rhetorische Figur, wie die Metapher, sondern eine Haltung zur Sprache selbst. Wer Bullshit betreibt instrumentalisiert Sprache zur Verdunkelung einer Absicht. Eine Metapher kann dafür eine Ausdrucksmöglichkeit sein. Wenn sie an das Beispiel von Coehlo denken, dann ist nicht die Metapher das Problem, sondern der Zusammenhang in dem sie vorkommt. Da sich Tiger und Hyänen in der Natur selten oder auch gar nicht begegnen, ist die mangelnde Furcht des Tigers schlicht ein Bild das nichts bedeutet und nicht in die Realität eines normalen Menschen übersetzbar ist. Der Erfolg Coehlos scheint allerdings genau auf solchen Sätzen zu beruhen. Der Satz will eine emotionale Situation verdeutlichen, und verwendet ein Bild dafür, das in der Realität gar nicht vorkommen kann oder so selten ist, dass es nichts aussagt. Der Bullshit daran ist, dass es ganz treffsicher den Zweck verfehlt, für den der Satz geschrieben wurde, aber genau deswegen so mächtig ist. Das ist kurz gesagt die engste Definition von Bullshit, die ich kenne.

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