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Edward Said und die Saidisten

Eine Rezension von Ibn Warraqs „DEFENDING THE WEST. A Critique of Edward Said’s Orientalism“ (Prometheus Books, 2007) und “VIRGINS? WHAT VIRGINS? And Other Essays” (Prometheus Books, 2010).

Als ich etwa 10 Jahre alt war fiel mir aus der Bibliothek meines Vaters ein Buch in die Hände, das sofort mein Interesse weckte: Karl Heinz Deschners „Kirche des Un-Heils. Argumente um Konsequenzen zu ziehen“, eine 1974 erstmals erschienene Aufsatzsammlung, die meiner naiven Religiosität ein rasches Ende setzte und mir zudem äußerst hilfreiche Munition verschaffte, meine Umgebung mit antiklerikalen Diskussionsangeboten zu nerven.

In fünf kompakten Essays lieferte Deschner einen Querschnitt seiner Arbeit rund um die Geschichte der christlichen Kirchen, ihr Verhältnis zu Krieg, Sexualität und Faschismus, den Opportunismus der Theologen, die Komplizenschaft mit dem Antisemitismus oder die Finanzgebarung vatikanischer Politik. Die intime Kenntnis der christlichen Theologie und ihrer bis in die Antike zurück reichenden Quellen machte Deschner für seine Feinde und Gegner praktisch unangreifbar, weil er jedes Argument mehrfach historisch belegen konnte.

Von der Inquisition über die Hexenverfolgungen bis zu den Massakern der Gegenreformation, Deschner listete penibel jedes Verbrechen auf, das in Europa während der letzten 1500 Jahre in einem religiösen Zusammenhang stand, zitierte Theologen und Kirchenväter, die es deckten, befohlen oder unterstützen, und deckte den Widerspruch der Kirchen zwischen Selbstwahrnehmung und tatsächlicher Praxis auf. Aber erst später wurde mir bewusst,  dass Deschners Kritik an christlicher Grausamkeit und Doppelmoral darauf abzielte, das Christentum als Idee und Heilsbotschaft zu retten. Deschner war kein Atheist, sondern nahm die Person Christi immer aus dieser Kritik an den Kirchen aus. Er hielt den in den Evangelien beschriebenen Jesus für ein Ideal, das er dem verlogenen und destruktiven Machtapparat Kirche entgegen setzen konnte. Ein echter Christ im Sinne Deschners war wie Jesus ein Rebell und Gegner der Obrigkeit, der Kirchenfürsten angegriffen und Päpste heraus gefordert hätte. Kurz gesagt:  selbst die allerhärteste Kritik an der Praxis der Kirchen, wie Deschner sie über Jahrzehnte formuliert hatte, war keine Kritik am Kern der Religion selbst, sondern ein Versuch ihr moralisches Fundament zu bewahren.

Aus verschiedenen historisch erklärbaren Gründen erlaubte das Christentum also eine Kritik an seinen größten Institutionen, die wahrscheinlich von einem Großteil der Theologen nicht geteilt aber als historische Wahrheit zumindest akzeptiert werden muss, ohne es gleichzeitig unmöglich zu machen an die von ihm verkündete Wahrheit zu glauben. Die zunehmende Akzeptanz einer säkularen Trennung (wie unscharf und fließend sie im Einzelnen auch sein mag)  verkleinerte die Macht der Kirchen immens, rettete aber gleichzeitig die Religion vor ihrem Verschwinden in die Esoterik. Es gehört zu den erstaunlichen Aspekten der Kritik am Christentum, dass die Kritik an den Kirchen und ihrer Praxis immer wesentlich wichtiger gewesen ist, als die Verbreitung einer atheistischen Doktrin. Aber vielleicht sollte man hier auch die Unterscheidung treffen, dass eine solche Aussage im Wesentlichen vor einem katholischen Hintergrund stimmt, und in weit aus geringerem Maße für den protestantischen Einflussbereich der angelsächsischen Welt gilt. Aber selbst ein so versierter Atheist wie Bertrand Russell kommt in seinem berühmten Text „Warum ich kein Christ bin“ nicht umhin, seine Ablehnung der Religion vor dem Hintergrund einiger neutestamentlicher Stellen zu formulieren in denen Jesus die wichtigsten moralische Maximen des Christentums empfiehlt, also Friedfertigkeit, Duldsamkeit und Nächstenliebe, mithin also die Ideale des christlichen Lebens der tatsächlichen Praxis gegenüberstellt.

Ein Kritiker des Islam wie der indisch-pakistanisch Intellektuelle Ibn Warraq, der seine Erziehung in England genossen hat, und Mitte der 90er Jahre in Anlehnung an Bertrand Russell das Buch „Warum ich kein Muslim bin“ geschrieben hat, kann sich aus vielerlei Gründen nicht auf eine solche Tradition institutioneller Kritik berufen, um seine Ablehnung der Religion zu formulieren. Eine historisch-kritische Lesart des Koran kann nicht auf eine Unterscheidung zwischen Botschaft und Praxis im Islam hinaus laufen, weil die essentielle Bindung der muslimischen Praxis an die Offenbarung die Botschaft ist, die er verkündet. Wie ich an anderer Stelle bereits einmal fest gehalten habe, hat die Tendenz islamischer Theologie Politik, Staat und Religion immer unterschiedslos zu subsumieren die katastrophale Konsequenz, dass aus dem Mangel an Differenz eine Schwäche folgt andere universale Prinzipien zu formulieren, als solche, die sich aus den eigenen Schriften und Überlieferungen ableiten lassen.

Im 2010 erschienenen Sammelband „Virgins? What Virgins? And Other Essays“ vertieft und sammelt Warraq seine wichtigsten Ergebnisse und Argumente gegen den Islam als Religion und politische Theologie. Mit den Mitteln moderner Textkritik und einer akribischen Kenntnis der neuzeitlichen Islamforschung zeigt er, wie sich die angebliche Konsistenz eines regulativen Textes in hermeneutische Unsicherheit auflöst. Die rein sprachlich nicht mehr nachvollziehbare Bedeutung weiter Textpassagen, die weder im Hoch-arabischen noch in irgendeiner Übersetzung auch nur ansatzweise entziffert werden können, konnte nur damit weg erklärt werden, dass bestimmte Suren zwar offenbart wurden, aber nur von dem der sie offenbart hat auch verstanden werden können. Noch überraschender ist aber, dass der Koran weit entfernt davon ist auch nur in einer einheitlichen Version kanonisch verbürgt zu sein. Warraq zählt alleine sieben verschiedene Variationen auf, die sich im Lauf der Zeit durch regionale und sprachliche  Differenzen entwickelt haben, und sich durch Überlieferung und unterschiedliche Editionen erheblich unterscheiden. Was übrig bleibt ist nur durch Orthodoxie und politische Willkür gewaltsam aufrecht zu erhalten. Das Problem, das Warraq sehr deutlich vor Augen führt, ist, dass eine historisch kritische Textanalyse den innersten Kern der islamischen Theologie zerstört. Wenn man die Authentizität der Offenbarung als historischen Mythos identifiziert, bleibt vom religiös spirituellen Kontext nichts mehr übrig. Der Islam scheint ein gewaltiges Problem damit zu haben jenseits seiner heiligen Schrift so etwas wie universale Werte zu formulieren. Wie schon Levi-Strauss in den „Traurigen Tropen“ bemerkte, muss die islamische Praxis die Existenz eines „Anderen“ prinzipiell verleugnen. Aber ohne einen solchen Begriff gibt es auch keinen Universalismus der Differenz, der sich der Herausforderung stellen könnte, den Islam von innen zu reformieren. Das was Warraq als Aufklärung des Islam fordert, läuft auf seine Abschaffung hinaus. Kein Wunder also, dass sich die islamische Orthodoxie ebenso wie ein bedeutender Teil der Islamwissenschaft so verbissen dagegen wehrt von ihrem Zwang Abstand zu nehmen jede intellektuelle Herausforderung auf den Text des Koran abzuwälzen.

In seinem 2007  erschienen Buch „Defending the West. A Critique of Edward Said’s Orientalism“ zerstört Warraq mit kaum verborgener Wut die einflussreiche Theorie Edward Saids (1935 – 2003), dass die westlichen Orientwissenschaften eine Waffe des europäischen und amerikanischen Imperialismus gewesen sein sollen. Warraq kann nicht nur zeigen, dass dies falsch ist, sondern stellt auch höhnisch fest, dass Said in seinen Versuchen die essentialistische Konstruktion einer westlichen Wahrnehmung des Orients nachzuweisen selbst in essentialistische Muster verfallen ist, die bestenfalls dazu geführt haben, dass sich die moslemischen Gesellschaften in Selbstmitleid und Verschwörungstheorien einigeln konnten. Said selbst konnte die theoretische Konsistenz seiner Idee nur dadurch aufrecht erhalten, indem er sich auf britische und französische Literatur konzentrierte und die Leistungen deutscher und anderer Orientalisten völlig ignorierte. Aber auch dort, wo er sich zumindest auf eine fundierte Quellenlage berief, erging er sich in zum Teil abstrusen Interpretationen und manchmal völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen, die denunziatorisch und willkürlich erscheinen. Seinem Lieblingsgegner, dem britischen Historiker Bernard Lewis unterstellte er einmal, dieser würde Araber zu Tieren degradieren, als dieser den Wortstamm eines Terms, der von arabischen Autoren benutzt wurde um das Phänomen der französischen Revolution zu beschreiben auf die Begriffe „Pferd“, „reiten“ , „sich erheben“ oder auch „sich erregen“ zurück führte. Lewis machte sich über die Versuche Saids ihm eine Sexualisierung von Arabern zu unterstellen höchstens lustig, ernst nahm er ihn nicht. Obwohl Warraq sehr ausführlich und mit genauer Quellenkenntnis die wichtigsten Orientalisten bespricht, sollte man, wenn man deren Geschichte genauer kennen lernen will, auch auf Robert Irwins „For Lust of Knowing: The Orientalists and Their Enemies“ (Penguin Books, 2006) zurück greifen, einem sehr lesenswerten Buch, das im Gegensatz zu Warraq auf jegliche Polemik verzichtet. Irwins und Warraqs wesentlichste Kritik an Said ist dessen Ungenauigkeit in historischen Fragen. Said lässt die Araber bereits im siebten Jahrhundert in der Türkei einfallen, obwohl der byzantinische Einflussbereich Kleinasiens erst vier Jahrhunderte später von den Seldschuken islamisiert wurde oder behauptet, dass Pakistan eine Kolonie gewesen sei. Pakistan selbst war niemals eine Kolonie, sondern existiert erst seit 1947, als die Briten Indien verließen. In einem anderen Fall bezeichnet Said auch das osmanische Reich als „Kolonie“, was  nicht nur falsch ist, sondern Saids wichtigsten Vorwurf an die Orientwissenschaften, den Orient nur als Objekt zu betrachten wie einen Bumerang auf ihn zurück schleudert. Durch solche Unschärfen vermittelt Said eine historische Kontinuität der europäischen Imperialismen, die so nie existiert hat. Vor allem eifrige Leser Saids, die in den „Postcolonial Studies“ Studies zu Hause sind, können im Anschluss an seinen Orientalismusbegriff  unsinnigste Dinge behaupten, ohne auch nur einen kritischen Blick auf ihre Quellen zu verschwenden. Wararq zitiert die Kunsthistorikern Linda Nochlin, die in ihrem Text „The Imaginary Orient“ von Jean-Léon Gérômes Bild „Der Schlangenbeschwörer“ behauptet, es wäre ein „Dokument der kolonialistischen Ideologie des 19. Jahrhunderts“ und diesen Vorwurf damit begründet, dass die Präsenz des „Westlichen Kolonialismus oder eines touristischen Blicks“ darin fehlen würde. Das Kolonialistische würde man also daran erkennen, dass es im Bild nicht zu sehen sei.  Die historisch ungebildete Dummheit Nochlins findet in Warraq einen dankbaren Abnehmer: Das Motiv hätte Gerome in Istanbul ausfindig gemacht und da das Osmanische Reich und Istanbul niemals Kolonien waren, ist es nicht schwer zu verstehen, warum man in diesem Bild keinen westlichen Kolonisator sieht.

Saids Begriff von der westlichen Orientwissenschaft war vor allem von einer sehr feindseligen Haltung geprägt, die ignorierte, dass die Islamwissenschaft in Europa und den USA überwältigend positiv gepolt war und ist. Anders als Said behauptet waren die Orientwissenschaften keineswegs an der Konstruktion eines „Anderen“ interessiert, der sich als unbewegliche essentialistische Einheit identifizieren ließ, sondern leisteten durch ihre Forschung ganz wesentliche Beiträge dazu, die Geschichte des Islam und der von ihm beeinflussten Gesellschaften überhaupt erst zu historisieren, und ihm eine Geschichte jenseits von Mythen und unhinterfragten Märchen zu geben. Es ist nicht völlig von der Hand zu weisen, dass Saids Hass auf die Orientwissenschaften auch daher rührte, dass die islamischen und arabischen Kulturen des Nahen Ostens selbst so wenig dazu beitragen konnten ihre eigene Geschichte mit kritischem Geist aufzuarbeiten.  Kritik an der Sklaverei, eine Aufarbeitung der eigenen Verbrechen in Kriegen oder eine historisch adäquate Beschäftigung mit den imperialen Ambitionen muslimischer Gesellschaften sind dort nach wie vor völlig bedeutungslos. Es gehört zu den merkwürdigen Aspekten von Saids Arbeit, dass er niemals die Frage stellte, warum die islamische Zivilisation so wenig Interesse an einer Auseinandersetzung mit europäischen oder auch asiatischen Einflüssen hatte. Die zeitgenössische Gender und Queerforschung scheint in dieser kritiklosen Haltung Saids heutzutage ganz aufgegangen zu sein. Während man westliche Hegemonie und kapitalistische Ausbeutung wortreich an den Pranger zu stellen weiß, werden Homophobie, Misogynie und Antisemitismus politischer Akteure, die man sich als Unterdrückte oder potentielle Bündnispartner konstruiert (nach Judith Butler sollen das Hamas und Hizbollah sein) als rassistische Einbildung des westlichen Imperialismus denunziert. Die Kritik des Rassismus und der Systematik kapitalistischer Ausbeutung degeneriert zur essentialistischen Feindbildproduktion, die Europa, Israel und die USA als globale Agenten identifiziert und mittlerweile sogar den für sich in Anspruch genommen Universalismus hintertreibt, indem man die westlichen Entwicklungen auf einen angeblichen Eurozentrismus reduziert. Und hier scheint der entscheidende Knackpunkt in den analytischen Fehlleistungen der „Postcolonial Studies“ zu liegen. Europa, der Westen (oder was man auch immer für einen Begriff wählt) war zu keinem Zeitpunkt „eurozentristisch“, sondern als Kultur immer dem exakten Gegenteil verpflichtet. Warraq verwendet viel Mühe darauf, diese Tatsache heraus zu arbeiten. Europa als Zivilisation (und man kann die USA hier ruhig eingemeinden) hat keine Gelegenheit ausgelassen jenseits seiner Grenzen Einflüsse und Inspiration für die eigenen kulturellen Leistungen zu suchen. Gerade die Arbeit des Orientalismus ist ein herausragendes Beispiel für die unermüdliche Erforschung außer europäischer Kulturen, ihrer Sprachen, Texte, Religionen und Architekturen. Der Vorwurf des Eurozentrismus scheint darum eine mehr als verräterische Projektion zu sein, mit der die Leistungen des Abendlands für eine universale Politik der Menschenrechte negiert werden, damit die unhinterfragten Prämissen des postkolonialen Frameworks nicht in sich zusammen brechen.

Saids Einfluss auf Disziplinen wie die „Postcolonial Studies“ und die mit ihr verbundenen Philosophien muss daher jedenfalls als durch gehend negativ bewertet werden. Warraqs Plädoyer für die Verteidigung des Westens macht jedoch denselben Fehler wie seine Gegner. Dort wo er nicht die Mühe aufwenden will, eine Kritik anhand der Philosophie und des Textes zu leisten, wird er denunziatorisch und verrennt sich in Blödheiten. Die durchaus berechtigte Kritik an einem postmodernen Relativismus wird von ihm – typisch englisch – als  „kontinentale Scharlatanerie“ verunglimpft und vor allem an Michel Foucault fest gemacht. Foucaults unfassbare Dummheit sich die moslemische Revolution im Iran als Durchbruch der Menschenrechte zu Recht zu träumen, muss wirklich nicht verteidigt werden, aber seine Philosophie auf eine relativistische Diskursschwätzerei zu reduzieren entbehrt jeder Grundlage. Zumindest sollte man Foucaults wichtige Werke über den antiken Subjektbegriff gelesen haben, bevor man ihn danach beurteilt, was man bei seinen unfähigsten Epigonen abschreiben muss. Eine weitere ärgerliche Tendenz Warraqs, mit der er wahrscheinlich die konservativen Teile seiner amerikanisch-britischen Leserschaft zufrieden stellen möchte, ist seine ahistorische Reduktion der sowjetischen Episode auf einen Totalitarismus, den man mit dem Islamismus gleich setzen kann. Obwohl er entsprechende Texte zitiert übergeht er völlig, dass Islamisten kommunistische Ideologien für jüdisch-zionistische Produkte hielten oder dass die kurzlebige Herrschaft der Sowjets über Afghanistan die einzige Periode der neueren Zeit in diesem Land gewesen ist, in der Frauen zumindest formal gleiche Rechte besaßen. Aber eine gründliche Auseinandersetzung mit Warraqs Buch müsste noch weiter gehen.

Zunächst einmal ist fest zu halten, dass es nicht der Westen ist, der verteidigt werden muss, und keine geographisch zu bewahrende Kultur, sondern der Begriff der universalen Menschenrechte gegen die Gewaltverhältnisse einer als kulturrelativistisch getarnten Willkürherrschaft. Genau wie die antiimperialistischen „Israelkritiker“ und ihre Philosophen des postkolonialen Diskurses verdrängt auch Warraq in seinen Lobeshymnen auf den Westen die Verbrechen der Nazis, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen. Während linke Antiimperialisten und Antizionisten ihre Israelkritik als antikolonialistische Geste inszenieren, für deren Glaubwürdigkeit die Shoah relativiert werden muss, steht Warraq vor dem Problem, dass eine Auseinandersetzung mit der Shoah seine Lobeshymnen auf den Westen stören würde. Dass gerade die Deutschen und Österreicher mit ihren überragenden kulturellen Leistungen auf allen Gebieten der Kultur und der Wissenschaft zur entsetzlichsten Barbarei fähig waren, müsste zumindest misstrauisch gegen „westliche Werte“ machen und eine gewisse Skepsis provozieren. Aber Warraq, der den Antisemitismus der moslemischen Tradition sehr scharf kritisiert und Israels Demokratie ausdrücklich lobt, schafft es tatsächlich die Shoah im Zuge seiner Aufzählung und Verteidigung westlicher Werte nicht einmal zu erwähnen.

Wie wir am Beispiel Deschners sehen konnten ist die immanente Selbstkritik, die Warraq als wesentlichen Teil westlicher Kultur sieht, eine Strategie, die durch einen Universalismus der Differenz produziert wird. Die von Warraq so gelobte Selbstkritikfähigkeit der westlichen Gesellschaften hat die Funktion den kulturellen Kern der westlichen Kultur zu bewahren und nicht abzuschaffen. Ob eine solche Auseinandersetzung auch für die moslemischen Gesellschaften möglich ist, ohne den innersten Kern ihrer Kultur vollständig auszulöschen ist eine große Frage, die sich Warraq nicht stellt und zu deren Beantwortung auch sein mächtiges intellektuelles Arsenal nicht ausreicht. Aber dass sich diese Frage früher oder später stellen wird, ist eine unausweichliche Tatsache für die wir früher oder später auch politische Antworten suchen müssen. Ibn Warraq wird uns dabei jedenfalls nicht helfen können.

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