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Archive for März 2010

Europa, Islam und Islamophobie, Teil 3

März 22, 2010 1 Kommentar

Das Beispiel von Fethullah Gülen bestätigt uns, dass es eine immanente Krise des islamischen Denkens gibt, die sich darin zeigt, keine intellektuellen Mittel zu haben, das Eigene und das Andere analytisch zu durchdringen. Wo Differenz gefragt ist, regiert ein Zwang zur Vereinheitlichung, der das Denkgebäude gewaltsam zusammen hält und keinen Spielraum für philosophische und politische Erneuerung zulässt. Wenn Fethullah Gülen, aber auch andere Autoren islamischen Schrifttums, ihr Verhältnis zur modernen Wissenschaft definieren müssen, dann erzeugen sie keinesfalls Widersprüche. Moderne Wissenschaft, Demokratie und Menschenrechte sind wie schon angedeutet ganz sicher nicht inkompatibel zum Islam, ganz im Gegenteil. Die islamische Tradition muss stattdessen erklären und ideologisch absichern, dass moderne Wissenschaftskultur oder die Menschenrechte islamisches Eigentum darstellen und die Entdeckungen westlicher Wissenschaft nur die empirische Bestätigung der koranischen Offenbarung sind. Die Probleme sie sich daraus ergeben sind ausschließlich politischer Natur. Warum es nur so möglich ist zu vermeiden, den anderen (in diesem Fall eben die europäische Geschichte) als anderen wahrzunehmen, ist eine Frage, die sich darum diesem Denken nicht stellt. Das Studium eines Autors wie Tariq Ramadan, der in Europa weitaus bekannter und populärer ist, würde uns kein prinzipiell anderes Bild zeigen. Die Krise ist daher eher ein philosophisches Problem, als ein religiöses.

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Europa, Islam und Islamophobie, Teil 2

März 16, 2010 1 Kommentar

Im ersten Teil dieses Essays habe ich mich vor allem mit den historischen Bedingungen beschäftigt, die den komplizierten Diskursen um die Rolle des Islam in der europäischen Gesellschaft vorausgehen. Wie wir gesehen haben, ist die Beschäftigung mit den historischen Tatsachen vor allem deshalb notwendig, weil sie deutlich macht, dass der Dialog, der mehr propagiert wird als er tatsächlich stattfindet, von so unterschiedlichen Prämissen ausgeht, dass es kaum Berührungen geben kann, die nicht unmittelbar zu Missverständnissen führen.

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Europa, Islam und Islamophobie, Teil 1

März 15, 2010 1 Kommentar

Seit Edward Said 1978 seine große Studie über den „Orientalismus“ veröffentlichte, gibt es eine große Diskussion über die Wahrnehmung des Islam in Europa. Eine seltener gestellte Frage ist, wie die Bewohner der muslimischen Welt eigentlich den „Westen“ sehen, und welche Rolle diese Wahrnehmung in ihrer Geschichte gespielt hat. Eine Auseinandersetzung mit dem Werk von Bernard Lewis fördert dazu überraschende Aspekte zutage.

Der britische Historiker Bernard Lewis gehört zu den kompetentesten Nahostexperten und der Geschichte des Islam. Außerdem hat er das Verhältnis zwischen islamischer und europäisch/westlicher Kultur wie kein zweiter sorgfältig studiert. Seine Texte sind einerseits von einer sehr akribischen Kenntnis der Quellen geprägt, von einer spürbaren Sympathie für seinen Gegenstand durchdrungen und zeichnen sich doch durch eine sorgfältige intellektuelle Distanz aus. In einer neueren Veröffentlichung aus dem Jahre 2002 „What went wrong“ geht er der Frage nach, warum die islamische Welt ihren einstigen Glanz und jene Bedeutung verloren hat, die sie zumindest in den Augen der muslimischen Bevölkerungen des Nahen und Mittleren Ostens für lange Zeit inne hatte.

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